Version Française    Anreise    Kontakt    Presse    English Summary    Sitemap   
 
Die Stazionen:

Half Being Half Flow, Informationen

Half Being Half Flow ist ein öffentliches Kunstwerk. Das Projekt, das Material aus Bremen in Deutschland, Phnom Penh in Kambodscha (2003-2005) und Luxemburg (2007) zusammenträgt, will dazu anregen, über Fragen der sozialen Verantwortung in der Kleider- und Modeindustrie nachzudenken. Den Anfang der Ausstellung bildet eine DVD-Installation auf zwei gro?en Bildschirmen, die Bilder von zwei verschiedenen Menschengruppen – KundInnen vor dem Eingang der H&M-Geschäfte in Bremen und TextilarbeiterInnen vor den H&M-Fabriken in Phnom Penh – nebeneinander zeigen.
Die BesucherInnen können sich sitzend acht Porträts von H&M-KundInnen und H&M-TextilarbeiterInnen anschauen. Von April bis Oktober 2007 haben sie au?erdem die Möglichkeit, an einer Reihe öffentlicher Veranstaltungen im Ausstellungsraum teilzunehmen.
Überall, wo die Arbeit weiterentwickelt wird, kommen neue Porträts von lokalen H&M-KundInnen hinzu, und Diskussionsrunden mit Experten und Repräsentanten von H&M, Gewerkschaften, politischen Parteien und nichtstaatlichen Organisationen werden organisiert. Das Projekt wird Schritt für Schritt dokumentiert und kontinuierlich auf der Internetseite der Ausstellung „All We Need“ veröffentlicht.

Das Projekt Half Being Half Flow wurde im Zusammenhang mit der Ausstellung „No Man Is an Island” der Gesellschaft für Aktuelle Kunst in Bremen 2003 ins Leben gerufen. Der Titel ist einem Gedicht von John Donne (1573–1631) entnommen: „Niemand ist eine Insel, ganz für sich; jeder ist ein Stück des Kontinents, ein Teil des Ganzen“.
Die heutige Hochgeschwindigkeitsgesellschaft sowie die Ausbreitung von Handels- und Informationsnetzen machen uns abhängiger von Ereignissen an fernen Orten und zugleich betroffener. Der verstärkte Informationsfluss schafft neue zwischenmenschliche Beziehungen, zugleich aber auch Vereinsamung. Half Being Half Flow erkundet strukturell und thematisch Fragen wie: “Wo sollen wir die Grenze ziehen? Was kümmert uns? Hört unsere Anteilnahme an unserer Türschwelle auf? Bezieht sie sich auch auf die Menschen unserer Gegend oder unseres Landes? Oder gehen wir so weit, uns für jeden Einzelnen dieser Erde einzusetzen?“ Das Ziel dieses Projektes ist es, die Menschen, die am jeweiligen Ende der Kleider- und Modeindustrie stehen, – die Angestellten der H&M-Kleiderfabriken sowie die H&M-KundInnen – zusammenzuführen.
Die schwedische Gesellschaft H&M besitzt ungefähr 1900 Geschäfte in 20 verschiedenen Ländern. Kurz gefasst besteht ihr Konzept darin, ihren KundInnen „Mode und Qualität zu niedrigen Preisen“ anzubieten. Die Produktion der Kleider findet in Niedriglohnländern statt und die Verteilung läuft über eine Hochgeschwindigkeitslagerung. Zwischen den TeilnehmerInnen dieses Projektes besteht keine nationale, historische, geografische, religiöse, sprachliche oder ökologische Verbindung. Ihnen gemeinsam ist, dass sie durch die Firma H&M miteinander verbunden sind.
Am Anfang war der Markt ein konkreter Ort, an dem die Leute sich begegneten, verhandelten und die Ware begutachteten. Heute kann der Markt in viel höherem Ma?e als etwas Abstraktes und Geheimnisvolles angesehen werden – ein niemals stillstehender, unberechenbarer und grenzenloser Fluss. Das Projekt Half Being Half Flow erforscht das Zusammengehörigkeitsgefühl der verschiedenen Akteure der globalen Produktions- und Verbrauchergemeinschaft. Für einen Kunden oder eine Kundin ist der Weg eines T-shirts von der Fabrik zum Geschäft lang und schwierig zu erfassen. Welche materielle und gefühlsmä?ige Bindungen gehen wir mit der Person ein, die wir im Geschäft für die Jeans bezahlen, die wir soeben gekauft haben? Mit dem Logo auf dem Schildchen an der Hüftentasche?
Mit der Person, die das Schildchen angenäht hat? Und umgekehrt. Welche lokalen, nationalen und globalen Organisationen und Behörden sind in den Transaktionen einer transnationalen Kleiderfirma wie H&M verwickelt? Auf welche Weise sind die vielen Akteure in einem gegenseitigen Abhängigkeitsverhältnis wirtschaftlich, politisch und kulturell miteinander verbunden? Wessen Verantwortung ist es, die Arbeitsverhältnisse der TextilarbeiterInnen in Niedriglohnländern zu verbessern?

Elin Wikström, visuelle Künstlerin und Professorin an der Akademie der Schönen Künste, Universität Umeå, Schweden.