Die Geschichte der Gebläsehalle
Die Gebläsehalle in Esch/Belval ist eine dreischiffige Maschinenhalle
- Länge: 161,00 m
- Breite: 74,25 m
- Höhe: 30,00 m
Bauepoche :
Gründungsphase (1910 - 1912)
Funktion :
Energieversorgung und Winderzeugung
Beschreibung :
(aus: Die Adolf-Emil-Hütte in Esch. In: Stahl und Eisen 33.Jahrgang, Nr. 18, 1.Mai 1913)
Stahlfachwerkkonstruktion mit Schlackensteinausmauerung, flache Satteldächer mit Oberlicht, Stahlfachwerkbinder mit Betonplatten und Pappeindeckung.
Die Gebläse- und Gasdynamomaschinen sind in hohen, hellen und gut ventilierten Gebäuden untergebracht und so hoch gelagert, dass auch eine gute Entlüftung des Kellers stattfindet. Es werden vorläufig 8 Gasgebläse- und 10 Gasdynamomaschinen aufgestellt. Die letzteren erzeugen Drehstrom von 5000 Volt Spannung und 50 Perioden.
Der Strom dient zum Antrieb der in den Stahl- und Walzwerken erforderlichen Maschinen, zum Antrieb der Schrägaufzüge, der Maschinen für die Gasreinigung, der Pumpenanlage, sowie eventuel, einer elektrischen Roheisen-Transportbahn.
Der Strom wird an des Verbrauchsstellen z. T auf niedere Spannung transformiert. Die zur Fortleitung des elektrischen Stromes dienenden Kabel sind in hohe, leicht begehbare Kanäle verlegt. Im Übrigen entsprechen sämtliche elektr. Einrichtungen den Vorschriften und Normen des Verbandes deutscher Elektrotechniker.
ln einem gemeinsamen Gaskraftwerk befinden sich acht doppeltwirkende Tandem-Gasgebläse und neun Gasdynamos gleicher Bauart. Die Halle besteht aus einem Mittelbau von 9,2 m I. W. und einer Länge von 136 m, dem sichlinks und rechts zwei Seitenhallen von 28,5 m Spannweite und 136 m Länge bzw. 34,9 m Spannweite und 112 m Länge anschließen.
Vom Maschinenhausflur, der 4,8 m über Hüttenflur liegt, beträgt die Höhe 18 m bis Unterkante Dachbinder. alle vier Säulenreihen des Gebäudes sind zur Aufnahme der Wind- und Horizontalkräfte herangezogen worden. Der Binder über dem Mittelbau ragt an beiden Seiten über, um die Spannweite der großen Binder abzukürzen. Der Mittelbau hat drei übereinander liegende Etagen, in denen sich die Schalträume befinden. In den beiden Seitenhallen, eine für die Gasdynamos, die andere für die Hochofengebläse, befinden sich zwei übereinander liegende Kranbahnen, die obere für leichtere Krane, die untere für die schweren 50-t-Baukrane. Das Gewicht der Hallenkonstruktion f. d. qm überspannter Grundfläche beträgt 175 kg.
Der Zugang zu den beiden Maschinenhallen erfolgte von Süden über je eine zweiarmige Außentreppe zur Maschinenhausflur. Zu unbekanntem Zeitpunkt wurden diese Treppen durch ein gemeinsames innen liegendes Treppenhaus ersetzt, die Lage der Außentreppen ist an der Fassade noch ablesbar. 1917 wurde die kürzere Gasgebläsehalle um zwei Achsen nach Norden auf die Länge der Elektrozentrale verlängert. 1930 wurde die Elektrozentrale wieder um zwei Achsen erweitert, 1939 die Gasgebläsehalle zur Aufstellung eines weiteren Gebläses auf ihre heutige Ausdehnung gebracht.
1957 wurde die erste elektrische Turbo-Gebläsemaschine von BBC aufgestellt. 1958 erfolgte eine Vergrößerung des Vestiaire der Elektrozentrale durch Aufbau einer weiteren Etage. Die Schalttafel in der elektrischen Zentrale wurde 1964 mit einer Kabine versehen.
An Stelle der Gebläsemaschine II wurde das Elektro-Turbo-Gebläse für den neuen Hochofen A aufgestellt. Als Ersatz für weggefallene Abhitzekessel wurden ölgefeuerte Dampferzeuger aufgestellt. 1969 wurde die Gebläsemaschine für Hochofen B montiert und drei Gasgeneratoren abgerissen. Nach Ende der Stromerzeugung in Belval 1972 wurde die östliche Halle als Werkstatt genutzt, es wurde eine Schiebebühne und Untersuchungsgruben für Lokomotiven, Roheisen- und Schlackenwagen eingebaut. An der Ostfassade wurden verschiedene Werkstatt- und Sozialräume angebaut, welche 2003 abgerissen wurden.
Entwicklung:
1910 errichtet
1917 Erweiterung der Gebläsehalle um zwei Achsen in nördlicher Richtung
1929 Vergrößerung der Elektrozentrale um zwei Achsen in nördlicher Richtung, Einsturz des Neubaus am 15.12.1929, Beendigung der Bauarbeiten an der Elektrozentrale im September 1930
1933 Reparatur der Betondachplatten der Gebläsehalle
1934 Fortsetzung der Dachreparatur
1937 Revision der Gebläsemaschinen Cockerill I und II, Klein I und II, Thyssen , SACM und Schneider
1938 Vorbereitung der Aufstellung einer neuen Gasgebläsemaschine, Modernisierung der Schalttafel der Elektrozentrale
1939 Erweiterung der Gebläsehalle, Aufstellen einer Gasmaschine von MAN 08.08.1939, Fundamente von Firma Crolla, Esch/A.
1950 Einbau neuer Fenster in der Gasgebläsehalle
1952 Ersatz der Fußbodenkacheln in der Elektrozentrale
1957 Anschaffung einer elektrischen Gebläsemaschine von BBC Baden, Leistung 2000 m3/min, in Betrieb ab 11.05.1957.
1958 Vergrößerung des Vestiaire der Elektrozentrale durch Aufbau einer weiteren Etage
1960 Abhitzekessel für Gasmaschine 1 von MAN
1964 Einbau einer Kabine für die Schalttafel der elektrischen Zentrale
1964 Aufarbeitung Kranbahn in der Gaszentrale, Aufstellen des zweiten Ölfeuerungs-kessels Babcock
1965 Gebläsemaschine für Hochofen A von BBC, geliefert am 02.02.1965, Aufstellung an Stelle der Gebläsemaschine II, Versuche ab 4.5.1965
1966 Schalldämmung der Gebläsemaschine für Hochofen A
1968 Installation von zwei Dampfkesseln Walther in der Gebläsehalle
1969 neue Gebläsemaschine für Hochofen B montiert, Abriss von 3 Gasgeneratoren (wie zuvor 9 andere), Kessel Babcock 1 in die Zentrale versetzt, Revision der Gasmaschine VIII
1972 Einrichtung einer Reparaturwerkstatt mit Untersuchungsgruben für Lokomotiven, Roheisen- und Schlackenwagen, Aushub von sechs Untersuchungskanälen und der Grube für die Schiebebühne, zwei Zufahrtsgleise. Dachfläche und alle Lüfter geschlossen. Totale Fläche 2750 m2, Gleislänge 305 m, 180 m mit Untersuchungsgrube.
1990 Brand in der Elektrozentrale der Gebläse am 16.05. 1990
1996 Ende des Betriebes
2003 Abriss der Anbauten an der Ostfassade
Quellen:
- Archives Nationales: Geschäftsberichte ARBED J 90/804 Genehmigungsakte Adolf-Emil-Hütte Archiv ARBED - Neubauabteilung: Planverzeichnis 16
- Die Adolf-Emil-Hütte in Esch. In: Stahl und Eisen 33.Jahrgang, Nr. 18, 1.Mai 1913
